Presseinformation: Genetische Unterschiede beeinflussen Vermehrungspotenzial von Borkenkäfern
Nr. 153 - 30.10.2026
Internationales Forschungsteam analysiert Überwinterungsverhalten des Buchdruckers
(pug) Der Befall von Borkenkäfern stellt Europas Forstwirtschaft vor massive Herausforderungen. Doch Borkenkäfer vermehren sich nicht gleich. Warum entwickeln manche Populationen des Buchdruckers nur eine Generation pro Jahr, während andere zwei oder sogar drei hervorbringen können? Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung der Universität Göttingen und der Freien Universität Bozen hat die genetischen Unterschiede identifiziert, die mit dem unterschiedlichen Überwinterungsverhalten des Buchdruckers zusammenhängen. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Molecular Ecology erschienen und können helfen, das Risiko von Massenvermehrungen unter veränderten Klimabedingungen besser einzuschätzen.
Wie zerstörerisch die Borkenkäfer werden, hängt vor allem vom Voltinismus ab, also von der Anzahl von Generationen, die innerhalb eines Jahres ausgebildet werden können. Mit statistischen Verfahren und Methoden des maschinellen Lernens konnte das Forschungsteam die Gene entschlüsseln, die dafür verantwortlich sind. Die Forschenden verglichen das Erbgut von Buchdruckern aus europäischen Populationen mit unterschiedlichen Diapause-Typen: Wie bereits frühere Laborversuche gezeigt haben, bilden Käfer in nördlichen Populationen eine Generation pro Jahr aus und gehen dann in Diapause, also in die Winterruhe. In Mitteleuropa dagegen bilden die Käfer zwei oder noch mehr Generationen innerhalb eines Jahres. Untersuchungen an im Freiland gesammelten Tieren bestätigten die deutlichen Unterschiede zwischen den Populationen. Während in nördlichen Populationen vor allem der genetische Typ mit einer Generation pro Saison vorkommt, finden sich in Mitteleuropa unterschiedliche Diapause- und Voltinismus-Typen nebeneinander.
„Mit dieser Studie konnten wir erstmals die genetischen Merkmale entschlüsseln, die zur Bildung von mehreren Generationen beim Buchdrucker führen und somit das Risiko einer Massenvermehrung wesentlich beeinflussen“, erklärt einer der Projektleiter, Prof. Dr. Martin Schebeck von der Abteilung Forstentomologie der Universität Göttingen. Die genetischen Marker könnten künftig bestehende Prognose-Modelle ergänzen. „Direkt bekämpfen lässt sich der Buchdrucker damit zwar nicht“, so Schebeck. „Vielmehr geht es darum, seine Populationsdynamik genauer zu verstehen und Risiken früher einschätzen zu können.“
Originalveröffentlichung: Palmieri, L. et al. Genomic Predictors of Diapause Polymorphism in the Bark Beetle Ips typographus With Implications for Voltinism Potential and Outbreak Dynamics. Molecular Ecology (2026). DOI: doi.org/10.1111/mec.70532
Kontakt:
Prof. Dr. Martin Schebeck
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie
Abteilung Forstentomologie
Büsgenweg 3, 37077 Göttingen
Telefon: 0551 39 23603
E-Mail: martin.schebeck@uni-goettingen.de
Internet: www.uni-goettingen.de/de/701459.html