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Veranstaltung


Naturräume der Einsamkeit

Titel der Veranstaltung Naturräume der Einsamkeit
Veranstalter Kunstsammlung
Einrichtung Referent/in Dr. Isabella Augart
Veranstaltungsart Führung
Kategorie Campus Leben
Anmeldung erforderlich Nein
Beschreibung
Was bedeutet es, allein zu sein? Nicht zuletzt die Erfahrungen von sozialem Rückzug und Isolation in den vergangenen Jahren haben diese Fragen erneut ins Zentrum gesellschaftlicher Aufmerksamkeit gerückt. Die Ausstellung lädt dazu ein, Einsamkeitskonzepte der Vergangenheit zu erkunden, die sich in vielem vom heutigen Verständnis unterscheiden und insbesondere in der christlichen Bild- und Texttradition eine lange und vielschichtige Geschichte haben.

Anhand von rund 25 ausgewählten Druckgraphiken aus der Göttinger Universitätskunstsammlung – darunter Werke von bedeutenden Künstlern wie Albrecht Dürer, Hendrick Goltzius und Jan Sadeler – widmet sich die Ausstellung dem Motiv des Eremiten und der Eremitin. Im Mittelpunkt stehen Darstellungen von Wüstenvätern und -müttern sowie von Heiligen wie Johannes dem Täufer, Maria Magdalena, Hieronymus oder Franziskus. Sie ziehen sich der christlichen Überlieferung zufolge bewusst aus der Gemeinschaft zurück, um in der Abgeschiedenheit der Natur ein asketisches Leben zu führen. Diese Form des Rückzugs wurde über Jahrhunderte hinweg als religiöses Ideal verstanden und in der Kunst immer wieder neu ins Bild gesetzt. Ausgehend von den ausgestellten Druckgraphiken und Büchern zeichnet die Ausstellung die Bildgeschichte der eremitischen Einsamkeit in der christlichen Ikonographie nach. Thematisiert werden das neuentfachte Interesse am Leben der Eremiten an der Schwelle von Spätmittelalter und Früher Neuzeit, der Eremiten-Boom in populären graphischen Serien um 1600, Einsamkeitsvorstellungen im Barock sowie die solitude romantique in der Kunst des 18. und 19. Jahrhunderts.

Ein besonderes Augenmerk gilt dabei erstmals den Landschaften, in denen diese Szenen angesiedelt sind: karge Wüsten, Höhlen, Felsen und Berge bilden die Bildräume des eremitischen Lebens. Diese Landschaften fungieren nicht bloß als Hintergrund der Szenen. Vielmehr sind die Naturräume der Einsamkeit bedeutungstragende Räume, in denen sich Vorstellungen von Natur, Spiritualität und Mensch-Umwelt-Beziehungen verdichten. Die Landschaften werden zum Spiegel religiöser, naturphilosophischer und anthropologischer Vorstellungen und eröffnen Einblicke in historische Konzepte von Askese und Weltabkehr.
Zeit Beginn: 17.05.2026, 11:30 Uhr
Ende: 17.05.2026 , 12:30 Uhr
Ort Auditorium (Weender Landstraße 2)
Kunstsammlung
Kontakt 0551/ 39-25092, -25093, -25098
kunsts@gwdg.de
Externer Link https://uni-goettingen.de/de/vorschau_336217d9c...
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