PROKIG - Professionalisierung durch Kooperation im Integrationsfach Gesellschaftslehre
Im SIG-Projekt "Professionalisierung durch Kooperation im Integrationsfach Gesellschaftslehre (PROKIG)" und dessen Folgeformat "Professionalisierung durch Kooperation im Integrationsfach Gesellschaftslehre - Auswertung (PROKIG-A)" untersuchen wir, welche Relevanz Kooperation in der Wahrnehmung von Lehramtsstudierenden der gesellschaftswissenschaftlichen Fächer für das fächerübergreifende Unterrichten hat. Außerdem gehen wir der Frage nach, von welchen Faktoren die Absicht zur Kooperation beeinflusst wird. Es ist das Ziel des Projekts, die Relevanz von Kooperation in der Wahrnehmung von Lehramtsstudierenden der Fächer Geografie, Geschichte und Politik in Niedersachsen als Ressource bei der Bewältigung von Herausforderungen im Fach Gesellschaftslehre herauszuarbeiten. Auf dieser Grundlage sollen zentrale Einflussfaktoren auf die spätere Kooperationsabsicht identifiziert werden. Die gewonnenen Erkenntnisse tragen dazu bei, gezielte Impulse für die Weiterentwicklung der Lehrkräftebildung in den Fächern Geografie, Geschichte und Politik zu liefern – mit dem Ziel, zukünftige Lehrkräfte besser auf das Unterrichten im Integrationsfach Gesellschaftslehre vorzubereiten.
Gesellschaftslehre ist ein schulisches Integrationsfach, das geografische, historische und politische Perspektiven miteinander verbindet. Trotz dieser fächerübergreifenden Anlage existiert bislang – mit wenigen Ausnahmen – keine spezialisierte, verpflichtende Ausbildung für dieses Fach an deutschen Hochschulen. Lehramtsstudierende, die an nicht-gymnasialen Schulformen unterrichten möchten, stehen deshalb häufig vor der Herausforderung, fachfremd zu unterrichten.
Angesichts dieser unzureichenden Professionalisierung kommt der Kooperation eine zentrale Rolle zu: Während eine einzelne Lehrkraft meist nicht über die notwendige dreifache fachliche und fachdidaktische Expertise verfügt, ist diese im Kollegium in der Regel vorhanden. Erfolgreiche Kooperation ist jedoch voraussetzungsreich, da mit steigender Intensität der Zusammenarbeit auch das Potenzial für Spannungen wächst. Umso wichtiger ist es, Bedingungen zu identifizieren, welche die Wahrscheinlichkeit gelingender Kooperation erhöhen.
Vor diesem Hintergrund stehen zwei zentrale Fragestellungen im Mittelpunkt des Projekts:
1. Welche Bedeutung messen angehende Lehrkräfte der Fächer Geschichte, Geografie sowie Politik der Kooperation bei der Bewältigung inhaltlicher Herausforderungen, wie sie sich aus integrativem Unterrichten ergeben, bei?
2. Welche Merkmale sagen die Absicht, im späteren Beruf zu kooperieren, vorher?
In der ersten Förderphase (PROKIG: 2025–2026) fand dazu im Mai 2026 eine digitale Befragung von Lehramtsstudierenden in den Fächern Geografie, Geschichte und Politik an niedersächsischen Universitäten statt. Der eingesetzte Fragebogen enthielt zwei wesentliche Teile:
Erstens: eine konkrete Anforderungssituation in Textform, in welcher die Lehramtsstudierenden mit einem fiktiven Szenario konfrontiert wurden, die darin bestand, in einer Gesamtschule im Fach Gesellschaftslehre eine fächerübergreifende Unterrichtsreihe zum Thema „Europäische Union“ vorbereiten und durchführen zu müssen. Hierzu sollten sie bis zu fünf Planungsschritte offen notieren. Von Interesse ist hier vor allem, ob sie intuitiv Kooperation als Ressource für die Unterrichtsplanung nennen oder vorrangig auf das individuelle Selbststudium durch das Lesen von Fachtexten o. Ä. setzen würden.
Zweitens: verschiedene geschlossene Fragen zum Ankreuzen, etwa zur selbsteingeschätzten Teamfähigkeit, der Einstellung gegenüber Kooperation oder dem Wunsch nach autonomem Arbeiten. Von Interesse ist hier vor allem, ob Merkmale wie der Wunsch nach autonomem Arbeiten negativ mit der Absicht zusammenhängen, mit Kolleg*innen zu kooperieren. Überprüft wird dabei, ob diese Zusammenhänge auch unter Kontrolle des Interesses am Fach Gesellschaftslehre oder der Persönlichkeitseigenschaft Extraversion (Geselligkeit) bestehen bleiben.
Die zweite Förderphase (PROKIG-A: 2026–2027) dient der vertieften Auswertung und Veröffentlichung der Ergebnisse aus den qualitativen und quantitativen Daten der rund 135 Befragten. Dies beinhaltet einerseits für die Textantworten eine KI-gestützte qualitative Inhaltsanalyse der Planungsschritte der Lehramtsstudierenden zur Unterrichtsreihe „Europäische Union“ und andererseits Mehrebenen-Strukturgleichungsmodellierungen, in denen die Zusammenhänge aller Variablen mit der Kooperationsabsicht berechnet werden. Bei letzterer wird nochmals zusätzlich zwischen Kooperation als niedrigschwelligem Austausch (z. B. von Arbeitsblättern) und Ko-Konstruktion (z. B. in Form gemeinsamen Unterrichtens) unterschieden.
Projektteam
Dr. Helene Bergmann (bis 2026), Dr. Marcel Grieger, Prof. Dr. Ariane S. Willems
Laufzeit
PROKIG: 2025–2026 (Start im Oktober 2025)
PROKIG-A: 2026–2027 (Start im Oktober 2026)
Zentrale Ziele des Projektes
Studiendesign und forschungsmethodisches Vorgehen

Ausgewählte Fragestellungen
1. Welche Bedeutung messen angehende Lehrkräfte der Fächer Geschichte, Geografie sowie Politik der Kooperation bei der Bewältigung inhaltlicher Herausforderungen, wie sie sich aus integrativem Unterrichten ergeben, bei?
2. Welche Merkmale sagen die Bereitschaft, im späteren Beruf zu kooperieren, vorher?
Finanzierung
Zentrale Wissenschaftliche Einrichtung für Lehrer*innenbildung (ZEWIL)
Förderlinie: Special Interest Group (SIG)
Fördervolumen: 3.000,00 € (PROKIG); 5.700,00 € (PROKIG-A)
(ehemalige) Studentische Hilfskräfte
Projektbezogene Publikationen
Projektbezogene Fachvorträge und Präsentationen