Erholung gestörter Fichtenwälder in Zentraldeutschland
In meiner Masterarbeit untersuche ich die Regeneration gestörter Fichtenwaldflächen in den Mittelgebirgsregionen Zentraldeutschlands, konkret im Südharz, im Thüringer Wald und im Thüringer Schiefergebirge.
Gängige Fernerkundungsprodukte zur Erfassung von Störungen unterscheiden meist lediglich zwischen gestörten und ungestörten Waldflächen, während differenzierte Aspekte wie der Verbleib von Totholz oder unterschiedliche Managementansätze häufig unberücksichtigt bleiben.
Auf Grundlage von Zeitreihen des Sentinel-basierten Blattflächenindex (Leaf Area Index, LAI) sowie ergänzender Informationen zu Topographie, Böden und Klima entwickle ich ein maschinelles Lernmodell, das unterschiedliche Formen des Post-Disturbance-Managements klassifizieren und voneinander abgrenzen soll. Hierzu erhebe ich detaillierte kategoriale Trainingsdaten im Gelände und erweitere bestehende Datensätze aus dem Projekt „ResEt-Fi“ (BMFTR, REGULUS-Programm) von der Plot- auf die regionale Ebene.
Der so entstehende umfassende Datensatz ermöglicht eine robuste Modellkalibrierung und -validierung. Durch die Analyse von Unterschieden in LAI-Erholungsverläufen und deren Zusammenhang mit Umweltfaktoren trägt die Arbeit zu einem besseren Verständnis früher Sukzessionsprozesse bei, unterstützt das Monitoring von Waldökosystemen und liefert wichtige Erkenntnisse zur Wiederherstellung von Ökosystemfunktionen sowie zur Bewertung von Landschaftsresilienz.
Bewirtschaftete Störungsfläche mit belassenen Hochstubben.
Zustand der Waldwege während der Feldarbeit.
Im Bestand belassenes stehendes Totholz.
Digitalisierte Störungsflächen in Cursdorf als Trainingsdatensatz.
Meine Masterarbeit befasst sich mit der Erholung von Waldstörungsflächen ehemaliger Fichtenbestände in den Mittelgebirgen Mitteldeutschlands, insbesondere im südlichen Harz, im Thüringer Wald und im Thüringer Schiefergebirge. Gängige Störungsprodukte aus der Fernerkundung konzentrieren sich meist auf die Differenzierung zwischen gestörten und ungestörten Wäldern, während Nuancen bei der Totholzretention in der Regel nicht berücksichtigt werden.
Auf der Grundlage von Fernerkundungszeitreihen biophysikalischer Variablen und Hilfsdaten möchte ich ein auf maschinellem Lernen (ML) basierendes Modell entwickeln, um bestehende Managementvarianten nach Störungen zu klassifizieren und zu unterscheiden. Der Schwerpunkt der Analyse liegt auf Sentinel-abgeleiteten LAI-Daten sowie auf Topografie-, Boden- und Klimadaten.
Zur Unterstützung dieses Ansatzes wurden detaillierte kategorische Trainingsdaten im Feld erhoben, wodurch der räumliche Umfang des bestehenden Forschungsprojekts „ResEt-Fi“ (BMFTR, REGULUS-Programm) von einzelnen Plots auf die regionale Ebene erweitert wurde. Diese Feldarbeit wurde durch Mittel des Kompetenzzentrums für Landschaftsresilienz und der Eva Mayr-Stihl-Stiftung unterstützt, die eine unabhängige empirische Datenerhebung, die über den regulären Rahmen des Studiengangs hinausgeht, ermöglichten. Diese umfassende Datenerhebung ermöglicht ein robustes Modelltraining und eine Validierung über alle drei Untersuchungsregionen und Managementvarianten hinweg.
Durch die Analyse der Unterschiede zwischen den Managementvarianten auf Schadflächen hinsichtlich der LAI-Erholungskurven und Umweltfaktoren wird diese Arbeit nicht nur das Verständnis der frühen Sukzession verbessern und die Überwachung der Erholung unterstützen, sondern auch neue Erkenntnisse über die Wiederherstellung der Ökosystemfunktionen im Zusammenhang mit der Bewertung der Landschaftsresilienz ermöglichen.
Zur Vorbereitung der Feldarbeit wurden mithilfe von Satellitenbildern potenzielle gestörte Waldgebiete in der Nähe bestehender „ResEt-Fi“-Plots identifiziert. Während der fünftägigen Feldkampagne wurden diese Flächen sowie zusätzlich vor Ort identifizierte Gebiete in drei Managementvarianten nach Störung eingeteilt: Kahlfläche, Hochstubben und stehendes Totholz.
Die Flächen wurden mit zwei sich ergänzenden Ansätzen digitalisiert. Wo möglich, erfolgte die Kartierung direkt im Gelände durch GPS-gestützte Erfassung der Flächengrenzen. In Fällen eingeschränkter Zugänglichkeit wurden Referenzpunkte im Feld aufgenommen und die Flächengrenzen anschließend mithilfe von Satellitenbildern digitalisiert. Dieser kombinierte Ansatz gewährleistete eine konsistente und präzise räumliche Abgrenzung der Untersuchungsflächen.
Insgesamt verlief die Feldarbeit erfolgreich, und ein Großteil der zuvor identifizierten Flächen konnte in den Datensatz aufgenommen werden. Im Thüringer Schiefergebirge wurde die Datenerhebung durch die hohe Verfügbarkeit großflächiger Störungsareale erleichtert. Aufgrund zeitlicher Einschränkungen konnten jedoch nicht alle Flächen vollständig digitalisiert werden.
Im Thüringer Wald hingegen war ein erheblicher Suchaufwand erforderlich, um geeignete Störungsflächen zu identifizieren. Rückblickend hätte ein größerer Teil der verfügbaren Zeit im Thüringischen Schiefergebirge eingesetzt werden können; dies hätte jedoch dem Ziel einer ausgewogenen regionalen Repräsentation widersprochen.
Logistische Herausforderungen ergaben sich durch blockierte Waldwege sowie teilweise schwierige Wegezustände für das Fahrzeug. Aufgrund des späten Zeitpunkts der Feldarbeit Ende Oktober waren die Flächen gut begehbar; lediglich steile, nasse Hanglagen erforderten erhöhte Vorsicht und einen höheren Zeitaufwand.
Das Ergebnis der Feldarbeit ist ein umfassender Datensatz mit etwa 500 räumlich abgegrenzten Flächen, die unterschiedliche Managementvarianten nach Störung repräsentieren. Die Flächen variieren stark in Größe und Form, was reale Bewirtschaftungsbedingungen widerspiegelt und bei der Modellentwicklung berücksichtigt wird.
Voraussichtlich werden etwa 15 % der Flächen aufgrund unzureichender räumlicher Ausdehnung vom Modelltraining ausgeschlossen. Diese Einschränkung war erwartet worden; dennoch wurden die Flächen digitalisiert, um ihren potenziellen Nutzen für alternative Analysen oder zukünftige Anwendungen zu erhalten.
Der resultierende Datensatz liefert die notwendigen kategorialen Trainingsdaten für die Entwicklung und Validierung des geplanten ML-Klassifikationsmodells. Langfristig trägt die Arbeit zu einem verbesserten Verständnis früher Waldsukzessionsprozesse und zur Bewertung der Resilienz von Waldlandschaften bei.
Nachwuchsgruppe Landschaftsresilienz Studierenden-Projekte
2025Erholung gestörter Fichtenwälder in Zentraldeutschland
Impressionen
Fotos: Simon Schulze
Ergebnisse & Reflexion
Hintergrund und Forschungsansatz
Methoden
Erfolge und Herausforderungen
Ergebnisse & Ausblick
Highlights
Kontakt
Email: simon.schulze@stud.uni-goettingen.de
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