Zweite Bewerbungsphase für den Master

Liebe BA-Studierenden der KA/EE!

Am 15.09. beginnt die reguläre zweite Bewerbungsphase für den Master Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie in Göttingen. Ihr könnt Euch noch bis zum 30.09.26 bewerben.

Der Masterstudiengang KA/EE vertieft das Studium der kulturellen Konstitution der modernen europäischen Gesellschaften. Perspektiven auf alltägliche regionale, ethnische, religiöse und genderbezogene Phänomene und Konflikte im Kontext sozialer, historischer und gesellschaftspolitischer Entwicklungen werden in Theorie und Praxis erforscht. Dabei erlernen Studierende, systematisch, theoriebezogen und methodenreflektiert zu arbeiten, empirisch zu recherchieren und Ergebnisse effektiv zu präsentieren.

Ihr wisst ja bereits: Das Herzstück des Masterstudiums in Göttingen bildet das Lehrforschungsprojekt, in dem Studieninhalte konkret zur Anwendung gebracht und eine Vielzahl praxisbezogener Kompetenzen erworben werden. In jedem Durchlauf entwickeln die Teilnehmer*innen in diesem Modul zu einem vorgegebenen Thema eigene kleine Teilprojekte, in denen sie unter Anleitung eigenen Fragestellungen nachgehen und Forschungskonzepte entwickeln. Um diese praktisch umsetzen zu können, nehmen sie sich Zeit, gemeinsam das Feld zu erkunden, wissenschaftliche Perspektiven und Theorien zu diskutieren, einen maßgeschneiderten methodischen Ansatz zu entwerfen und geeignete Zugänge zum Feld zu eruieren. Das Modul schließt mit einer Präsentation der Forschungsergebnisse in einem gemeinsam abgesteckten Rahmen ab. Mit der Absolvierung des Lehrforschungsprojekts werdet ihr also vollständig in die Praxis des empirischen Forschens und die Forschungsvermittlung eingeführt und eignet Euch im Prozess das Handwerkszeug für Projektarbeit an.

Hier seht ihr "Eurer" Lehrforschungsprojekt, das im Sommersemester 2027 starten wird:

Der autoritären Wende zum Trotz! Ethnografische Forschung zur Verteidigung der offenen Gesellschaft


Die gegenwärtig zu beobachtenden rechten Transformationen, diskutiert und untersucht unter analytischen Konzepten wie autoritäre Wende, soft-authoritarianism, autoritärer Populismus oder polypore, sind besorgniserregend und beängstigend. Im Frühjahr 2026 riefen Wissenschaftler*innen die Aktionswoche „Wissenschaft gegen Faschismus“ aus und in unserem, wie in vielen anderen Fächern, wird die Frage des Umgangs der Wissenschaften mit den autoritären Transformationsprozessen diskutiert.
Wir wollen in unserem 2-semestrigen Lehrforschungsprojekt den Blick drehen von den rechts-autoritären Transformationsprozessen auf die derzeit oft zu wenig gesehenen Gegenstrategien und Gegenentwürfe. Wir machen die Performanz unserer Wissensproduktion zum Ausgangspunkt: Wie können wissenschaftliche und kulturanthropologische Beiträge einer Public Anthropology aussehen, die unter den aktuellen Bedingungen den Schulterschluss mit sozialen Bewegungen und zivilgesellschaftlichen Akteur*innen suchen? Wie müsste sich Wissenschaft, Universität und Ausbildung verändern?
Mittels Teilnehmender Beobachtung und/oder aktivistischen Forschungsansätzen werden wir erkunden, wie sich die offene Gesellschaft heute denken und verteidigen lässt. Was heißt Solidarität, demokratischer Teilhabe, Gleichheit und Freiheit heute und wie werden diese Konzepte gelebt? Welche Akteur*innen, welche alten und neuen Netzwerke, mit welchen kleinen und großen Praktiken, sichtbaren und unsichtbaren Strategien leben und verteidigen eine offene Gesellschaft? Gemeinsam mit zivilgesellschaftlichen Akteur*innen wollen wir ein Handbuch der Gegenstrategien entwerfen - den kulturanthropologische Repräsentationsformen vom Comic, Bildbänden, Gesprächspassagen, Einbindung multimedialer Formate über QR Codes, bis hin zum analytischen Text sind hier keine Grenzen gesetzt.

Das Lehrforschungsprojekt leitet Svenja Schurade, die sich hier kurz vorstellt - einige kennen sie bereits:
In meiner Forschung und Lehre geht es um die Umsetzung und Organisation von Abschiebungen, um Abschiebehaft und Kriminalisierung, um Rassismus und autoritäre Transformationsprozesse, aber auch um von unten längst praktisch gewordene solidarische Alternativen und Gegenentwürfe. Ich habe Kulturanthropologie/ Europäische Ethnologie und Philosophie in Göttingen studiert und 2026 meine Dissertationsschrift mit dem Titel „Organisation von Abschiebungen. Eine exemplarische Analyse einer neuen Konjunktur eines autoritär neoliberalen Rassismus in Deutschland“ eingereicht. Mehr: https://www.uni-goettingen.de/de/673494.html

Wir laden Euch herzlich ein, Euch auf unseren Institutsseiten eingehend über das Masterprogamm zu informieren und Material für das Studium einzusehen.
Bei Fragen steht die Fachstudienberatung bereit! Wir helfen gerne weiter!

Mit freundlichen Grüßen,
Die Fachstudienberatung der KA/EE