We are sorry
Press release: Alpine Moore unter Druck
No. 138 - 12.10.2026
Neue länderübergreifende Analyse zeigt weit verbreitete Störungshinweise an Mooren im Alpenraum
(pug) Moore in den Alpen sind meist klein, verstreut und schwer zugänglich. Deshalb fehlen häufig aktuelle Angaben zu ihrer Ausdehnung und ihrem Zustand. Ein internationales Forschungsteam mit Beteiligung der Universität Göttingen hat nun einen länderübergreifenden Ansatz zur Erkennung speziell dieser Moore entwickelt. Der Vergleich mit offiziellen Karten zeigt, dass das Modell viele Moore kleiner abgrenzt als bisher kartiert – besonders dort, wo Luftbilder sichtbare Störungshinweise zeigen. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Communications Earth & Environment erschienen.
Das Team wertete 590 kartierte Moore in Österreich, Deutschland und der Schweiz aus. Dafür entwickelten die Forschenden ein neues Modell, das optische und radargestützte Satellitendaten aus den Jahren 2019 bis 2023 mit Geländedaten kombiniert. Anschließend verglichen sie die Ergebnisse mit amtlichen Moorkarten. Dabei stellte sich heraus: Das Modell wies die Moore oft als wesentlich kleiner aus, als sie in den offiziellen Karten angegeben sind. Die aktuellen Luftbilder lieferten auch Hinweise auf mögliche Ursachen. So waren an fast 90 Prozent der Standorte Störungshinweise zu erkennen – zum Beispiel sich ausbreitende Bäume und Sträucher, neue Infrastruktur oder die Entwässerung für landwirtschaftliche Nutzung, etwa zur Heuproduktion. Die dafür angelegten Entwässerungsgräben sind ebenfalls auf den Luftbildern sichtbar.
„Wir dachten vorerst, das Modell läge falsch. Doch dann fanden wir heraus, dass diese ‚zu kleinen‘ Moore meist auf Flächen mit sichtbaren Störungen wie etwa neuen Drainagegräben oder Wegen lagen“, erklärt Erstautor Dr. Marian Schönauer von der Mendel-Universität in Brünn, Tschechien. Dr. Simon Drollinger von der Abteilung Bioklimatologie der Universität Göttingen ergänzt: „Alpine Moore sind kleine Lebensräume mit großer ökologischer Bedeutung: Sie speichern langfristig Kohlenstoff, regulieren den Wasserhaushalt und bieten spezialisierten Tier- und Pflanzenarten Lebensraum. Unsere Analyse zeigt, dass der Zustand vieler Moore im Alpenraum stärker beeinträchtigt sein könnte als bisher angenommen und dass aktuelle Datengrundlagen entscheidend sind, um Schutz und Wiederherstellung gezielter zu planen“.
Die Forschenden plädieren dafür, alpine Moore stärker zu erfassen und ihren Schutz und ihre Wiederherstellung besser auszurichten. Dabei kann ihr frei verfügbarer Ansatz helfen, Moore regelmäßig per Satellit zu überwachen, gezielte Feldprüfungen zu planen und Karten aktuell zu halten.
Originalveröffentlichung: Schönauer, M. et al. Peatlands mapped across the European Alps with a harmonised multi-sensor workflow show widespread degradation. Communications Earth & Environment (2026). DOI: 10.1038/s43247-026-04036-3
Kontakt:
Dr. Simon Drollinger
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie
Abteilung Bioklimatologie
Büsgenweg 2, 37077 Göttingen
Telefon: 0551 39 23686
E-Mail: simon.drollinger@uni-goettingen.de
Internet: www.uni-goettingen.de/de/695057.html
Dr. Marian Schönauer
Mendel-Universität Brünn
Fakultät für Forstwissenschaften und Holztechnologie
Institut für Waldschutz und Wildtiermanagement
Zemědělská 3, 613 00 Brno, Tschechien
Telefon: +420 545 134 528
E-Mail: marian.schoenauer@mendelu.cz
Internet: https://excellentia.ldf.mendelu.cz/team