Dr. Andreas Effland, M.A.
Das Seminar für Ägyptologie und Koptologie trauert um seinen Kollegen, Dozenten und Freund Dr. Andreas Effland. Andreas war mehr als ein Wissenschaftler und akademischer Lehrer für uns – er war ein Mensch, der mit Herz, Intelligenz und Kompetenz die Welt des Alten Ägypten erforschte und verständlich machte. Sein plötzlicher Tod hat uns alle tief getroffen und hinterlässt eine Lücke, die niemals ganz zu schließen sein wird. Wir sind in Gedanken bei seiner Familie, seiner Frau Ute, seinen Kindern und bei allen, die ihn liebten.
Andreas Effland kam 2020 nach Göttingen, um sein wissenschaftliches Leben hier fortzusetzen – doch sein Weg begann bereits viel früher. In Hamburg hatte er seit seinem Magisterabschluss 1996 (mit einer Arbeit über die einheimischen Gegenkönige der Ptolemäerzeit) an dem langjährigen Forschungsprojekt zur Erschließung der Inschriften des Tempels von Edfu gearbeitet, zunächst gefördert von der DFG, später vom Akademienprogramm, angesiedelt an der Niedersächsischen Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Die Archäologie und Geschichte des Raumes von Edfu war auch Gegenstand seiner Dissertation von 2004.
In seiner gesamten wissenschaftlichen Laufbahn war er, wie sein aktuelles Schriftenverzeichnis belegt, auf seinen zahlreichen und breitgefächerten Forschungsgebieten enorm aktiv. Er kannte sich in allen Epochen der pharaonischen bis hin zur nachpharaonischen Geschichte vorzüglich aus, mit einem Schwerpunkt vom Mittleren Reich bis in die Spätantike.In seinem Fokus lagen dabei u.a. die Chronologie und Sozialgeschichte der 3. Zwischenzeit, sowie die kursiven (hieratischen und kursivhieroglyphischen) Quellen dieser Epoche. Daneben standen landschaftsarchäologische Fragestellungen und Untersuchungen zur hieroglyphischen „Kryptographie“ im Vordergrund. Nicht wenige seiner Publikationen sind in kollegialer Zusammenarbeit mit Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Fachgebiete entstanden und belegen sein Interesse an fächerübergreifender und interdisziplinärer Kooperation.
Seit 2007 war er engagiertes Mitglied mehrerer interdisziplinärer Forschungscluster des Deutschen Archäologischen Instituts – besonders im Cluster 4 „Religion, Gesellschaft, Individuum“ und 6 „Connected Cultures? Konzepte, Phänomene, Praktiken kultureller Interaktion“. 2021 wurde er zum Korrespondierenden Mitglied des Deutschen Archäologischen Instituts gewählt – eine verdiente Wertschätzung für seine langjährige, fundierte und wegweisende wissenschaftliche Arbeit.
In Abydos, gemeinsam mit seiner Frau Ute, leitete er das Grabungs- und Forschungsprojekt „Umm el-Qaab, Abydos. Untersuchungen zum Osiriskult in Abydos vom Alten Reich bis in die Spätantike“ am DAI. Zuletzt arbeitete er im Kontext dieses Projektes an mehreren spannenden Forschungsgegenständen:
- Die kryptographischen pseudo-„ad hoc“-Stelen des Neuen Reiches
- Rekonstruktion eines ramessidischen Ritualbuches: Das Buch von der Rückgabe des Herzens
- Hieratische Gefäßaufschriften aus der mittleren und späteren 22. Dynastie
- Hieroglyphische und kursivhieroglyphische Texte der 21.–23. Dynastie
Und dann war da noch seine Liebe zur Forschungsgeschichte, von der Entzifferung der Hieroglyphen vor 200 Jahren bis zur Geschichte der Altertumswissenschaften im „Dritten Reich“. Mit dem Blick eines Detektivs folgte er etwa den Spuren von Émile Amélineau, fahndete nach verlorenen Photos aus dessen Ausgrabungen in Abydos um die Wende zum 20. Jahrhundert – und brachte so vergessene Momente der Forschungsgeschichte zurück ins Licht.
Doch was Andreas Effland besonders auszeichnete, waren nicht nur seine Kompetenz und sein wissenschaftliches Œuvre – sondern seine menschlichen Qualitäten. Er war ein Lehrer, der nicht nur Wissen vermittelte, sondern Begeisterung weckte. Seine Seminare und Übungen waren mehr als Lehre – sie waren Begegnungen, in denen Studierende sich gesehen, verstanden und inspiriert fühlten. Seine Tür war immer offen, seine Geduld fast grenzenlos, sein Humor stets wach. Er nahm sich Zeit – für Fragen, für Ideen, für Diskussionen. Kinoabende mit historischen Themen, Tagesexkursionen und Reisen zu ägyptischen Sammlungen im In- und Ausland – es gab keine von Andreas Effland organisierte und begleitete Lernerfahrung, die die Teilnehmenden nicht gleichzeitig belehrte und inspirierte. Besonders hervorzuheben ist sein Engagement im forschungsorientierten Lehren und Lernen (FoLL): Seit 2022 betreute er vier solcher Projekte und unterstützte zahlreiche weitere Initiativen der Studierenden mit Engagement und Kompetenz.
Andreas Effland war ein absolut begnadeter Vortragender. Sei es in seminareigenen Veranstaltungsreihen, deren Organisation maßgeblich in seinen Händen lag, sei es in der Ringvorlesung der Göttinger Archäologien, sei es in der Kinder-Uni, seine Vorträge waren gleichzeitig spannend und unterhaltsam für das jeweilige Publikum und über die Maßen informativ.
Er war ein Mentor, ein Freund, ein Kollege, der unser aller Leben durch seine besondere Art, die Welt zu sehen und zu denken, bereichert hat. Wir werden ihn vermissen – nicht nur den Wissenschaftler, sondern vor allem den Menschen, neugierig, tiefgründig, humorvoll. Sein Erbe lebt weiter in seinen Werken, in den Projekten, die er erdacht und initiiert hat, und in den vielen Menschen, die er inspiriert hat.
Andreas, Du warst ein wunderbarer Reisegefährte, leider nur für eine Weile, eine schöne Zeit, die jetzt jäh zu Ende gegangen ist. Wir bleiben Dir in Dankbarkeit verbunden.